1. Auslegungsdrehmoment festlegen
Das Nenndrehmoment ist nicht immer das maximale Drehmoment. Anfahren, Blockieren, Stöße und Prozessschwankungen können einen höheren Wert erfordern.
Praxistipp: Dokumentieren Sie eindeutig, ob das eingegebene Drehmoment ein Nenn-, Maximal- oder bereits erhöhter Bemessungswert ist.
2. Eine passende zulässige Spannung wählen
Die zulässige Spannung darf nicht als willkürlicher Bruchteil gewählt werden, ohne Werkstoff, Wärmebehandlung, Temperatur und Belastungsart zu berücksichtigen.
Bei zyklisch belasteten Wellen ist ein Ermüdungsnachweis häufig maßgebender als der einfache statische Nachweis.
3. Einfluss des Durchmessers verstehen
τmax = 16T/(πD³)Bei einer Vollwelle ändert sich die Spannung proportional zu 1/D³. Eine Erhöhung von D um 10 % reduziert die Spannung daher bei sonst gleichen Bedingungen um ungefähr 25 %.
Dieser Hebel ist wirkungsvoll, erhöht jedoch Masse, Trägheit und Bauraum.
4. Voll- oder Hohlwelle?
Eine Hohlwelle kann ein gutes Verhältnis von Masse zu Steifigkeit bieten, da Material nahe der Achse nur wenig zum polaren Flächenträgheitsmoment beiträgt.
Das Verhältnis d/D oder die Wanddicke muss jedoch vorgegeben werden. Danach sind Fertigung, Montage, mögliche Schweißnähte und lokales Beulen zu prüfen.
5. Checkliste vor der Freigabe
Der theoretische Durchmesser ist nur der Beginn der Auslegung.
- Eine tatsächlich verfügbare Größe auswählen und neu berechnen.
- Verdrehwinkel und Steifigkeit prüfen.
- Spannungskonzentrationen an Absätzen und Nuten berücksichtigen.
- Biegung und Torsion am selben Punkt mit Von Mises kombinieren.
- Ermüdung prüfen, wenn Drehmoment oder Biegung schwanken.
- Kritische Drehzahl, Lager, Passfedern und Verbindungen prüfen.
Zahlenbeispiel
Beispiel: Hohlwelle unter 2 kN·m
Vorgegeben sind τzul = 80 MPa und d/D = 0,6.
- D = ∛[16T/(πτzul(1−k⁴))] anwenden.
- Dmin = 52,690 mm erhalten.
- Vorläufig auf 53 mm aufrunden.
- d = 31,8 mm und τ = 78,61 MPa neu berechnen.
Ergebnis: 53 mm erfüllt den vereinfachten statischen Nachweis. Der Durchmesser muss dennoch mit verfügbaren Größen, Ermüdung und geometrischen Details abgeglichen werden.
Die Methode ist mit den MIT-Unterlagen zu Torsion und den zugehörigen Beispielen verknüpft. Genaue Quelle öffnen ↗
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